Die acht reichsten Herrscher Afrikas und ihr Kontostand | UNSER MITTELEUROPA


The Kings of Africa photographed by Daniel Laine – Fotoquelle: https://www.pinterest.com/pin/9710955425359056/

Von Volker Seitz

Die Menschen des afrikanischen Kontinents gelten als arm. Sie sind arm, weil die reichlich vorhandenen Rohstoffe den Kontostand der afrikanischen Herrschenden auf ausländischen Banken, nicht aber den Lebensstandard der breiten Bevölkerung erhöhen. Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich, zwischen Knechten und Herren, bleibt eines der größten Probleme in Afrika. Die Erfordernisse einer Modernisierung und einer Transparenz ihres politischen Handelns sind vielen Verantwortlichen in Afrika nicht im Bewusstsein. Fast überall mehrt sich Korruption. Dort, wo afrikanische Politiker, jeder auf seine Art, beliebig über die Ressourcen und die Bevölkerung des Landes verfügen, ist eine Armutsbekämpfung nicht möglich. Diese Politiker herrschen über Menschen, sie fühlen sich ihnen gegenüber nicht verantwortlich. In Afrika als Autokrat bezeichnet zu werden, ist für die meisten Politiker keine Beleidigung. In der afrikanischen Kultur ist der Gehorsam gegenüber Älteren und Chefs tief verwurzelt. In diesem kulturellen Umfeld ist eine Rechenschaftspflicht des Präsidenten schwer durchzusetzen. Für junge Afrikaner ist es schwierig, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und nicht bloße Beobachter des öffentlichen Lebens zu bleiben. Für die überalterten Regierenden und ihre Funktionäre beginnt die politische Partizipation mit den Wahlen, und sie endet auch mit ihnen. Diese Zementierung und Überalterung bedeutet eine zunehmende Marginalisierung der afrikanischen Jugend, zumal sie nicht einmal in Partei-Entscheidungen wirklich mit einbezogen wird.

Wer sind diese Herrscher, die sich unverfroren der Reichtümer bedienen, während viele Afrikaner von zwei Dollar am Tag leben müssen?

Das britische Statistikbüro „Africaranking“ hat eine Liste der acht reichsten Präsidenten / Könige und ihres Privatvermögens erstellt. Die Zahlen stammen aus öffentlichen Quellen und dürften deshalb eher zu niedrig angesetzt sein. Ihre genauen Vermögenswerte kennen wohl nur die Präsidenten selbst. Fast immer sind riesige Ländereien und massive Rohstoffvorkommen die Basis der Vermögen.

José_Eduardo_dos_Santos

JOSE EDUARDO DOS SANTOS
Vermögen: 20 Milliarden US Dollar

Dos Santos ist seit 37 Jahren Präsident von Angola. Das Land ist neben Nigeria der größte Erdölproduzent auf dem afrikanischen Kontinent. Fast alle Staatseinnahmen stammen aus dem Rohstoffgeschäft. José Eduardo dos Santos führt das Land wie einen Familienbetrieb. Nahezu alle Schlüsselpositionen sind mit engen Verwandten des Präsidenten besetzt. Nicht selten entscheidet der Präsident selbst. Macht wird informell und über klientelistische Netzwerke ausgeübt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet von Dutzenden Milliarden Petro-Dollars, die an der Zentralbank vorbeigeschleust wurden. Im „Forbes“-Magazin wird Peter Lewis, Professor für Afrikastudien an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (USA), zitiert: „Das zentrale Problem in Angola ist die komplette Abwesenheit von Transparenz.“

Die Tochter des Präsidenten, Isabel dos Santos, wird bei Forbes mit 3,8 Milliarden gelistet. Während sie Geld mit vollen Händen ausgibt, lebt die Mehrheit der 21 Millionen Angolaner in großer Armut. Jeder dritte Erwachsene ist Analphabet, viele leben ohne Strom und sauberes Wasser. Im Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen (Human Development Index) rangiert die Nation nur auf Rang 148 von 187 analysierten Ländern.

Mohammed_VI

MOHAMMED VI VON MAROKKO
Vermögen: 2,1 Milliarden

Der König von Marokko ist auch der bedeutendste Geschäftsmann des Landes. Er übernahm die Macht vor 17 Jahren nach dem Tode seines Vaters König Hassan II.

 

 

 

Teodoro_ObiangTEODORO OBIANG NGUEMA MBASOGO
Vermögen: 600 Millionen

Obiang ist seit 37 Jahren Präsident von Äquatorialguinea. Nach einem Militärputsch gegen seinen Onkel Francisco Macias Nguema übernahm er 1979 die Macht. Nach dem Putsch ließ er seinen Onkel töten. Im Zuge der allgemeinen Demokratisierung in Afrika führte er „demokratische Wahlen“ ein. Zuletzt ließ er sich mit 95,4 Prozent der Stimmen wiederwählen. Seine Partei hält 99 von 100 Sitzen im Parlament und 74 von 75 Sitzen im Senat. Mit etwa 700.000 Einwohnern ist Äquatorial-Guinea eines der kleinsten Länder Afrikas. Die ehemalige spanische Kolonie in Zentralafrika gewährt ausländischen Journalisten nur selten Einreisevisa.

Äquatorialguinea hat eine Öl-Förderung pro Kopf wie Katar. Trotz des Rohstoff-Booms leben weite Teile der Bevölkerung in Armut. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen belegt das Land den 136. Platz von 187 Staaten.

UHURU KENYATTA
Vermögen: 500 Millionen

Kenyatta ist seit drei Jahren der vierte Präsident von Kenia. Er ist der Sohn des ersten Staatschefs, Jomo Kenyatta. Er besitzt erhebliche Ländereien und zahlreiche Unternehmen, wie die Commercial Bank, die Heritage Hotels, die Medienfirma Mediamax und den größten Molkereikonzern Ostafrikas, Brookside.

paul_biyaPAUL BIYA
Vermögen: 200 Millionen

Biya ist seit 34 Jahren Präsident von Kamerun. In diesem Land zeigt sich beispielhaft die direkte Verbindung zwischen politischer Macht und Reichtum. In Kamerun sind die Reichen nicht die Unternehmer, sondern die Günstlinge des Regimes. Die miserable Platzierung des Landes auf dem Korruptions-Index von Transparency International ist keine abstrakte Zahl, sondern wird bei jeder Bewegung im Alltag fühlbar.

Eine gemeinsame Debatte über wichtige Fragen findet nicht einmal in der Regierung statt. Es gibt nämlich so gut wie keine Kabinettsitzungen mit dem Präsidenten. Er kann keine wirkliche Demokratie wollen. Er hat ein informelles Subsystem von Personenbeziehungen aufgebaut, das der Machtausübung und der Machtsicherung dient. Minister oder Präfekte erfahren ihre Ernennung oder Absetzung – zur selben Zeit alle Bürger – durch das staatliche Fernsehen CRTV. Sie wurden zuvor nicht einmal gefragt. Zu Reformen sagt Biya regelmäßig ja, ohne sie anwenden zu wollen.

Seine Amtsgeschäfte führt er gern von einem Luxushotel in Genf aus. Ein Urlaub vor ein paar Jahren, den Biya mit seinem Hofstaat und der Familie im französischen La Baule verbrachte, war ausgesprochen mondän: 43 Suiten mieteten der Präsident und seine Entourage, für 800.000 Euro.

SWAZILAND, REED DANCEKÖNIG MSWATI III
Vermögen: 200 Millionen

Das Königreich Swasiland im Süden Afrikas ist mit knapp 17.400 Quadratkilometern etwa so groß wie Sachsen.

Mswati III. ist seit 31 Jahren König von Swasiland und somit Oberhaupt der letzten absolutistischen Monarchie Afrikas. Während das Volk in Armut lebt und Aids sich rasant ausbreitet, bereist der König die Welt oder pflegt seinen teuren Fuhrpark. Millionen soll er für die neuen Paläste seiner 13 Gattinnen ausgegeben haben. Hinzu kommen Privatstraßen und eine private Wasserversorgung sowie aufwendige Shoppingtouren der Königinnen in europäischen Metropolen.

Dem Monarchen gehören 25 Prozent an allen Minen des Landes.

Während die königlichen Ausgaben auf 61 Millionen Dollar pro Jahr gestiegen sind, lebt die Hälfte von Mswatis Untertanen von weniger als 30 Dollar im Monat.

idris-debyIDRIS DEBY
Vermögen: 50 Millionen

Gewaltsame Machtkämpfe sind eine Konstante in der Geschichte des Tschad. Als Sicherheitsberater des Diktators Hissene Habre erwarb sich Deby einen umstrittenen Ruf bei der brutalen Zerschlagung von Rebellenverbänden. Seit 26 Jahren ist der Ex-Militär selbst an der Macht. Frankreich schätzt ihn. Der Tschad gilt in der unruhigen Region als vergleichsweise stabil. Deby bleibt trotz Menschenrechtsverletzungen an der Macht, weil das Ausland ihn lässt – oder sogar ermutigt. Wenn es um Afrika geht, galt im Westen schon immer die Devise: Keine Experimente. Als Deby 2012 eine weitere Frau heiratete und die Kosten dieser Heirat laut französischen Medien sich auf 18 Millionen Euro beliefen, gab es keinerlei Kritik.

2003 wurde das Land fünftgrößter Ölproduzenten des Kontinents. 40 Millionen Litern Rohöl wurden seither gefördert.

robert_mugabeROBERT MUGABE
Vermögen: 10 Millionen

Mugabe herrscht seit 36 Jahren über Simbabwe. Das Land ist reich an Mineralien wie Platin, Diamanten, Graphit und Gold. Von den Bodenschätzen profitieren nur wenige Simbabwer um die Familie Mugabe. First Lady Grace Mugabe beutet z.B. das außerordentlich ertragreiche Diamantenfeld von Marange nahe der Grenze zu Mosambik als Privatbesitz aus. Im Volk wird sie Gucci Grace genannt, in Anspielung auf ihren luxuriösen Lebensstil. Auf Mugabe trifft zu, was der südafrikanische Wissenschaftler Moeletsi Mbeki in seinem Buch „Architects of Poverty“ schreibt: dass die meisten Länder im südlichen Afrika noch von Parteien regiert werden, die gegen die Kolonialmacht gekämpft haben. Sie seien überzeugt davon, dass sie der Freiheitskampf berechtigt, das Land für immer zu regieren. Auch würden sie nicht akzeptieren, dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig zu sein. Mugabe hat Simbabwe so weit heruntergewirtschaftet, dass es inzwischen ein Land der Armut mit vierzehn Millionen teils hungernden Menschen geworden ist. Dies sind die Folgen von Repression, Korruption und zynischem Desinteresse von Mugabe an einer Daseinsvorsorge für die Bevölkerung. Es gibt unverändert unglaubliche Armut und Not. Gleichzeitig nimmt das Vermögen der Oberschicht märchenhafte Dimensionen an. Die Sunday Times vom 14. Februar 2009 berichtete, dass Mugabe in Hongkong eine Villa für 5,6 Millionen US Dollar gekauft hat. Schon deshalb dürfte die Schätzung des Vermögens durch Africaranking zu niedrig ausgefallen sein.

Seit Jahren gönnt sich Mugabe luxuriöse Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag. Im letzten Jahr ließ er sich von tausenden Anhängern im Fünf-Sterne-Ressort „Elephant Hill Hotel“ in der Nähe der Victoria Fälle feiern. Für Mugabes großspuriges Geburtstagsmenü, das 1 Million Dollar kostete, wurden 100 Tiere, darunter 2 Elefanten geschlachtet. Dieses Jahr hat die Geburtstags-Zeremonie 800 000 US-Dollar (umgerechnet 715 000 Euro) gekostet.

 

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“.

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Quelle: Die acht reichsten Herrscher Afrikas und ihr Kontostand | UNSER MITTELEUROPA


6 thoughts on “Die acht reichsten Herrscher Afrikas und ihr Kontostand | UNSER MITTELEUROPA

  1. Ich will die Ungerechtigkeit wirklich nicht verteidigen, aber mal so ein paar Gedankengänge-

    wem gehören z.B. die Firmen, die die Rohstoffe fördern und weiterverkaufen? Warum wird die Weiterverarbeitung nicht im eigenen Land aufgebaut (was sehr lukrativ ist)?
    Wer bestimmt die Rohstoffpreise?
    Was würde passieren, wenn es dort Politiker gäbe, die eine eigenständige Politik für die Bevölkerung machen würden, inklusive eventuell anstehender Verstaatlichung und die Forderung nach gerechteren Rohstoffpreisen?

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    1. Die Frage nach dem „Warum“ stelle ich mir täglich auch im eigenen Land.
      Recht hast du aber, was wäre wenn?
      Die 8 Reichsten hätten weniger Geld und der Bevölkerung würde es besser gehen, was aber dort genauso wenig gewollt ist, wie bei uns. Warum sind viele deutsche Firmen nur noch vom Namen her Deutsch und der Rest ist international.
      (Tempo, Metabo, Langnese und und und) Der Mensch, also die, die die Firma ausmachen und täglich arbeiten gehen interessieren nicht mehr, alles muss billiger werden, damit die da oben immer mehr verdienen (bekommen) Verdienen tut es ja ein anderer, nämlich die armen Angestellten. Wir alle sind seit der Saturn Werbung „Geiz ist Geil“ verseucht.(Ist nur meine Meinung.
      Die Menschheit hat aber auch immer weniger zur Verfügung, somit kann ich es sogar ein wenig verstehen.

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      1. Hallo Andy,
        unser Geldsystem an sich ist schon sehr ungerecht und sorgt dafür, dass das Geld „von unten nach oben“ fließt – Dank Zins und Zinseszins (das Geld muss ja erst mal erarbeitet werden).
        Und solange die Firmen (ich meine nicht Kleinbetriebe) und die Rohstoffe im Privatbesitz sind, kommt es kaum der Bevölkerung zu Gute (dann braucht man natürlich auch ein wirklich demokratisches System, damit die Bevölkerung bestimmen kann, was damit gemacht wird).
        Ich sehe es auch so, dass der Verbraucher mit dem „Geiz ist geil“ erzogen wurde. Aber ich sehe auch, dass sich die Firmen hinter dem Verbraucher verstecken.
        Sehr, sehr viele Menschen wären bereit, z.B. für ein T-Shirt 50 Cent mehr auszugeben, wenn die Näherinnen dafür von ihrem Gehalt leben könnten… – nicht umsonst versuchen die Firmen zu verstecken, unter welchen Bedingungen die Produkte produziert wurden (trotzdem kann sich jeder Einzelne informieren und gegensteuern).
        Allerdings – wenn das Geld insgesamt gerecht verteilt und dann im Sinne der Menschen, Tiere, Umwelt ausgegeben würde, würde es (fast) ALLEN besser gehen! Und das bleibend!

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      2. Stimme ich dir zu 100% zu, aber leider würd es (nie) soweit kommen. Ich und meine Familie sind auch soweit, mehr Geld zu bezahlen, für ersteinmal bessere Qualität und den besseren Lebensumständen der Erzeuger. Wir kaufen unsere Brötchen und Brot (abgesehen davon dass zu viel Getreide auch ungesund ist) beim Bäcker unseres vertrauens, der nach der Rezeptur von 1973 als er den Laden aufgemacht hat bäckt. (Gut Mehl ist wieder Großhandel), aber da gebe ich gerne für Qualität fürs Brot 1,50€ mehr aus als im Backshop bei Kaufland. Dort sollen ja die Rohlinge für Brot und Brötchen aus China kommen.(einfach nur krank find ich).
        Der Brötchenrohling kostet denen im Einkauf 3 ct. Da müsste doch jeden auch klar sein, das dieses Brötchen nichts mehr mit Lebensmittel zu tun haben kann. Beim Fleischer des Vertrauens siehts doch auch schon wieder anders aus. Dort weiß man halt nicht mehr wirklich, obs im Großhandel gekauft wurde oder selbst geschlachtet wurde. Der Fleischer, so bin ich informiert, kann auch falsch sein, muss nur noch 20% selber schlachten um sich „Ihr Fleischer des Vertrauens“ zu schimpfen. Ich weiß das hat jetzt alles nichts mit Afrika zu tun, lag mir aber auf der Seele. Eigendlich wissen wir doch garnicht mehr was wir eigendlich im Supermarkt kaufen, sieht aus wie Essen, ist aber aus dem Chemielabor.Die Melonen z.B (habs ausprobiert) sind Hybriden, die kann man nicht mehr nachzüchten, es kommt nichts mehr außer Blattwerk. Die Lebendhühner sind ebenfalls Hybride, fortpflanzen ist nicht mehr. Klar jeder kann sich selber informieren und gegensteuern, ob du aber denn das erhältst was draufsteht, weißt du trotzdem nicht, siehe „Grüner Strom“. Weißt du ob du wirklich diesen Strom bekommst? Erzählen kann ich auch viel wenn der Tag lang ist. Überall herrscht nur noch LUG und BETRUG und das nur um uns abzuzocken. LG

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