Wahl in Berlin: Keine Kondome, sondern Früchtetee

Zum Landtagswahlen 2016 Special von Handelsblatt Online

Keine Kondome, sondern Früchtetee

Die Linke sei im Osten für solch eine Protestwahl zu etabliert. 22,7 Prozent holte sie hier bei der vergangenen Abgeordnetenhauswahl, fast 30 Prozent bei der Bundestagswahl 2013. Inzwischen liegt die AfD in Umfragen stadtweit bei um die 15 Prozent, die Linke nur knapp darüber.

Jetzt rechnet sich AfD-Spitzenkandidat Georg Pazderski in Ostbezirken Chancen auf Direktmandate aus. „Es gibt Stadtteile, wo wir sehr stark sind“, sagt der 64-Jährige. „Im Osten neigt man dazu, Dinge eher beim Namen zu nennen als im Westen. Man spricht Missstände offener und mit klaren Worten an.“

Berlins Linke-Chef Klaus Lederer erwartet trotzdem nicht, dass Wähler geballt von der Linkspartei zur AfD wechseln. „Dass wir in Größenordnungen reines Protestpotenzial hinter uns hätten, was uns immer gewählt hat und jetzt auf die Idee kommt, stattdessen AfD zu wählen, halte ich für üble Nachrede“, betont er. Vielmehr wirke die AfD wie ein Magnet auf die bürgerlichen Milieus. Zugleich räumt er ein: Früher wählten auch Menschen die Linke, die deren Flüchtlingspolitik ablehnten – heute nicht mehr.

Im Straßenwahlkampf sind die Rechtspopulisten kaum zu sehen. Nur ein paar Plakate – viel Text, kaum Gesichter. Das liegt auch an offenen Anfeindungen aus der linken Szene. Für andere Wahlkämpfer ist die rechtspopulistische Konkurrenz deshalb schwer greifbar. Sie kämpfen gegen ein Phantom, eine Schattengestalt. „Wenn sie sich zeigen würden, würde man sie vielleicht auch nicht mehr wählen“, meint die Linke-Kandidatin Hendrikje Klein.

Was treibt die Menschen in ihrem Wahlkreis um? Weniger die großen Probleme wie die Flüchtlingsintegration, meint Klein. Sie kämpften für einen Supermarkt in einem Viertel, in dem es weder Apotheke noch Aldi oder Edeka gebe. Große Ketten haben sich wegen mangelnder Kaufkraft zurückgezogen. Die Bevölkerung sei überwiegend älter. Man wolle, dass alles seine Ordnung habe, sagt Klein. Im Wahlkampf verteilt sie – anders als andere Linke-Kandidaten in Berlin – keine Kondome, sondern Früchtetee.

Quelle: Wahl in Berlin: Keine Kondome, sondern Früchtetee


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