egon-w-kreutzer/EWK 29. August 2016

29. August 2016

09.30 Uhr Brechreiz

Ich weiß nicht, welches Betriebssystem zwischen den Ohren von Sigmar Gabriel werkelt, doch sieht es so aus, als handle es sich dabei um ein von mehreren Zufallsgeneratoren gesteuertes System, das auf Basis der jeweiligen Umwelteindrücke eine große Zahl opportunistischer Reaktionsmuster erzeugt, von denen, abhängig von Datum und Uhrzeit, zwei oder drei als Sprachausgaben, „Fingerzeige“ und Mimik zufällig ausgewählt an die Umwelt zurückgegeben werden.

Das unterscheidet Gabriel von Angela Merkel, deren Software zwar ähnlich arbeitet, aber die Ausgabe von brillanten, sinnleeren neuen Texten so lange verzögert, bis alle anderen alles andere gesagt haben und sie sich damit zum Anführer der Mehrheitsmeinung aufschwingen kann.

Nun haben also beide erkannt, dass Wahlsiege in Deutschland ausschlaggebend davon abhängig sind, wie türkischstämmige Deutsche wählen. Der Begriff „Deutsch-Türken“ der dafür in der Debatte gewählt wurde, ist übrigens falsch, denn der benennt nur jene Menschen von denen je ein Elternteil türkisch und eines deutsch ist.

Vorsichtig geschätzt dürften inzwischen rund 1,5 bis 2 Millionen Deutsche mit türkischen Wurzeln wahlberechtigt sein. Da viele davon von Ankara aus leicht zu beeinflussen und zu mobilisieren sind, liegt hier – je nach der gesamten Wahlbeteiligung – ein Potential von ungefähr 5 bis 6 Prozent der gültig abgegebenen Stimmen.

Da macht es schon einen Unterschied, ob am Ende die CDU mit 27 Prozent und die SPD mit 15 Prozent dastehen, oder ob beide sich bei 21 Prozent wiederfinden.

Merkels „Outing“, sie sei auch die Kanzlerin der Deutsch-Türken, ließ anklingen, was noch kommen wird.

Gabriels Kotau vor Erdogan, man hätte schon am ersten oder zweiten Tag nach dem Putsch in die Türkei fliegen müssen, um Erdogan zur Niederschlagung zu gratulieren und ihm Anteilnahme und vor allem Unterstützung zuzusichern, ist allerdings das, was bei mir einen heftigen Brechreiz hervorgerufen hat.

Es sieht so aus, als wolle sich die SPD damit zur kleinen Schwesterpartei der AKP machen, nur um – gestützt durch die türkischstämmigen, Erdogan verehrenden Deutschen – nicht vollends in die Bedeutungslosigkeit hinter der AfD abzurutschen.

Weiß Gabriel nicht, dass Erdogan gerade einen gleich mehrfach völkerrechtswidrigen Krieg gegen die syrischen Kurden begonnen hat. Gegen jene Kurden, die auch von Deutschland mit Waffen, Munition und Ausbildern für den Kampf gegen den IS unterstützt werden?

Weiß Gabriel nicht, dass Erdogan den Mini-Putsch gegen sich, der vorher höchstwahrscheinlich verraten worden war, genutzt hat, um zigtausende Türken in einer beinahe stalinistischen Säuberungsaktion aus ihren Ämtern und Stellungen zu werfen, dass er zehntausend Türken in türkische Gefängnisse geworfen hat, nur weil sie ihm nicht bei jeder Gelegenheit zujubelten, sondern versuchten, in der „Musterdemokratie Türkei“ so etwas wie eine Opposition auf die Beine zu stellen?

Weiß Gabriel nicht, wie ein von Satire Beleidigter mit Klagen und Auslieferungsbegehren um sich wirft und ob dieser kleinen persönlichen Eitelkeiten sogar droht, den Flüchtlingsdeal Merkels außer Kraft zu setzen?

Weiß Gabriel nicht, dass Erdogan die deutschen Soldaten in Incirlik faktisch in Isolationshaft hält und deutschen Abgeordneten nicht erlaubt, sie dort zu besuchen?

Ahnt Gabriel nicht, dass sich da am Bosporus gerade eine neue Diktatur etabliert, deren Führer versucht, sich sowohl für die USA als auch für Russland unverzichtbar zu machen, um auf dieser Basis im Nahen Osten mit größtmöglicher Narrenfreiheit seine eigenen Großmachtgelüste auszuleben?

Da hätten „wir“ gleich am ersten Tag hinfliegen sollen?

Ja, das übertrifft dann noch die Appeasement Politik nach der Machtergreifung Hitlers, die nur „Duldung“ war, nicht aber in „Verständnis“ und „partnerschaftlicher Unterstützung“ mündete.

Vermutlich sind Gabriels Ratgeber zu der Überzeugung gelangt, die Deutschen wüssten sowieso nicht, was in der Türkei abgeht, und sollten sie es wissen, wäre es den meisten doch immer noch egal, solange nur der Euro stabil und die Renten sicher sind.

Die Türken in Deutschland jedoch würden sich der Partei zuwenden, die Verständnis für den starken Mann am Bosporus zeigt und ihm jede nur denkbare Unterstützung zukommen lässt.

Nun schämt sich der Siggi öffentlich, für die lange ausbleibende Reaktion Deutschlands und schreit sein „mea culpa, mea maxima culpa“ in die Welt hinaus.

Ich schäme mich für die breite Schleimspur, die er dabei von Berlin aus über die Balkanroute nach Ankara gelegt hat.

 

 


 

… und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die EU maßgeblich zum Untergang der Freiheit in Europa beigetragen hat.

Florian Stumfall bringt es auf den Punkt:

Florian Stumfall „Das EU-Diktat – Vom Untergang der Freiheit in Europa“
Printausgabe € 21,00
E-Book € 14,99
 

 

 


Über Geld spricht man nicht. Das hat man.
 
?

Stefan Mekiffer ist allerdings der Auffassung, dass wir dringend über das Geld sprechen und diskutieren, es verstehen lernen und Alternativen suchen sollten.
Er hat seine Erkenntnisse in dem Buch
„Warum eigentlich genug Geld für alle da ist“,
das bei Carl Hanser, München erschienen ist, zusammengefasst.

Niemand, der über notwendige Veränderungen des Geldwesens schreibt, kann es sich ersparen, zunächst einmal das herrschende Geldsystem zu beschreiben und seine Schwächen und Konstruktionsfehler herauszuarbeiten.
Mekiffer hat dabei vor allem den vom Geld ausgehenden Wettbewerbsdruck und Wachstumszwang betont und aus immer neuen Blickwinkeln die Frage gestellt:
Müssen wir wirklich unsere Umwelt ruinieren, unsere Lebenszeit vergeuden, die letzten Reserven verschwenden, müssen wir wirklich zulassen, vom Zinseszinswachstum erdrückt zu werden, wenn wir ein gutes Leben in Wohlstand führen wollen?

Seine Antwort ist nein.
Die Begründung für dieses Nein ist, und das weiß der Autor auch selbst, eine Utopie. Er stellt die Welt des Geldes, wie wir sie kennen, auf den Kopf. Geld soll nicht länger knapp sein, sondern als „Freigeld“ erschaffen werden, also ohne Schuld, ohne Tilgungsverpflichtung. Geld soll ohne Zinslast auf zwei Wegen in die Realwirtschaft fließen: Einerseits soll damit ein großzügig bemessenes bedingungsloses Grundeinkommen gezahlt werden, andererseits möge der Staat seine Ausgaben durch „Freigeldschöpfung“ bezahlen.

Geldflut!? Inflation!?
Keineswegs. Die Nutzung der natürlichen Ressourcen soll Geld kosten, womit die Liquidität ebenso wieder abgeschöpft werden kann, wie über bewusst in Rechnung gestellte Negativzinsen auf Guthaben.
Insgesamt richtet Mekiffer seine Vorschläge an eine Gesellschaft, die nach dem Schock der nächsten, verheerenden Finanzkrise begriffen haben wird, dass Kooperation sinnvoller ist als Wettbewerb und fließendes Geld mehr Segen bringt als gehortetes.
Sehr viel Zeit haben wir bis dahin wohl nicht mehr.

Mit einer ganzen Reihe von Anregungen, wie heute schon jeder für sich, und jeder auf seine Weise, ein Stück persönlicher Freiheit von Wettbewerbsdruck und Wachstumszwang zurückgewinnen kann, beschließt Stefan Mekiffer dieses lesenswerte und anregende Buch.

Reichen 20 Stunden Arbeit pro Woche aus? Ist es wirtschaftlicher, zu teilen als zu sparen?
Ja, sagt der junge Ökonom Stefan Mekiffer und spricht für eine ganze Generation. Wir müssen weg von der Vorstellung einer Wirtschaft, wie sie uns von Ökonomen eingeimpft wird; weg vom Bild einer Maschine, deren Stellschrauben die Politik dreht, hin zu dem eines organischen Systems.
Mekiffer zeigt uns, wie wir in Zukunft leben werden – mit Grundeinkommen, lokalen Währungen und Negativzinsen. Um das zu schaffen, müssen wir jedoch die Rolle des Geldes neu definieren: von einem Instrument, das uns einengt, zu einem Mittel der Freiheit. Ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Form der Ökonomie.
Negative Zinsen, nicht enden wollende Schuldenkrisen, die Rettung von Banken und ganzen Ländern: Es brodelt wieder heftig im alten Streit um Wohlstand, Schulden und Vergebung. Dabei hat das Verlangen nach unendlichem Wachstum mythische Dimensionen angenommen, über die Wirtschaft spricht man jedoch technisch und visionslos wie nie zuvor.
Stefan Mekiffer zeigt Alternativen auf: Er präsentiert ein organisches Geldsystem, das ohne künstlichen Mangel und zwanghaftes Wachstum auskommt, und zeigt neue Denkmuster, die statt Krise und Kollaps eine Metamorphose der Wirtschaft versprechen. Eine augenöffnende Lektüre.
Sie finden dieses Buch ab sofort auch hier, im EWK-Onlineshop.

 

 

Über Ursachen, Auslöser und Verlauf von Veränderungsprozessen. Vom Kompromiss bis zur Revolution.Jetzt hier bestellen!

 
 

Heute will ich auch wieder einmal an den

Bücherspendenfonds beim EWK-Verlag

erinnern. Das Prinzip ist einfach: Menschen, die es sich leisten können, legen eine Spende in den Topf, meist durch Überzahlung einer Rechnung, und Menschen, die gerne eines unserer Bücher lesen würden, es sich aber nicht oder nur unter erheblichem Verzicht leisten können, können ihren Buchwunsch aus diesem Fonds erfüllen. Einfach und unbürokratisch nach beiden Seiten. Im Augenblick sind 135,20 Euro im Topf und es gibt keinen Grund, sich zu schämen, von diesem Angebot Gebrauch zu machen.

Hier erfahren Sie mehr

Quelle: EWK 29. August 2016

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